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* *     * * Noten, Anmerkungen, Kommentare in literarischen Texten     
 
 


Workshop »Am Rande bemerkt – Anmerkungspraktiken in literarischen Texten« 28.-30. Juni 2006, Universität Erfurt

 

Mittwoch, 28. Juni 2006

18:15-19:45 Auftaktvortrag [Ort: LG4, D01]
Michael Cahn (Cambridge)
The Tragedy of Tragedies: Fieldings Tom Thumb

 

Donnerstag, 29. Juni 2006 [Ort: Kleiner Senatssaal]

9:00-10:00 Eröffnungsvortrag
Friedrich Forssman (Kassel)
Anmerkungen, Noten, Typographie

10:00-10:45
Johannes K. Kipf (München)
»Pluto ist als vil als Lucifer.« Zur ältesten Verwendung gedruckter Marginalnoten in deutschen literarischen Texten (bis 1520)

10:45-11:00 kurze Kaffeepause

11:00-11:45
Remigius Bunia (Siegen)
Fußnoten zitieren

11:45-12:30
Thorsten Bothe (Erfurt/Weimar)
»Zirkumfession«: »...geschrieben in einer Art innerem Rand...« – Eine Randbemerkung

12:30-13:30 Mittagspause

13:30-14:15
Sabine Mainberger (Berlin)
Flußnoten. Zu Daniel Spoerri et al.: An Anecdoted Topography of Chance

14:15-15:00
Holt Meyer/Sabine Zubarik (Erfurt)
Zum Zuviel zu viel: Fußnoten und Klammern: Die Wiederaufnahme: Angelus Silesius' Cherubinischer Wandersmann und Robbe-Grillets La Reprise

15:00-15:15 kurze Kaffeepause

15:15-17:30
Bettine Menke (Erfurt)
Gedankenstrich

Till Dembeck (Siegen)
Text ohne Noten? Für eine Texttheorie des Ornamentalen am Beispiel von Rabener und Jean Paul

Magnus Wieland (Zürich)
Parasitärer Paratext. Die »Hand in margine« in Des Feldpredigers Schmelzle Reise nach Flätz

Annina Klappert (Köln)
Hypertext und Fußnote. Medientheoretische Anmerkungen zu einem literarischen Phänomen

17:30-18:15 Snack-Pause

18:15-19:45 Abendvortrag [Ort: LG4, D08]
Andréas Pfersmann (Nizza)
Zur Parodie des kritischen Apparates im philologischen Roman

 

Freitag, 30. Juni 2006 [Ort: Kleiner Senatssaal]

9:00-9:45
Eva Erdmann (Erfurt)
Der Autor wider Willen und die Literatur als Fußnote: Cervantes' Don Quijote

9:45-10:30
Bernhard Metz (Berlin)
Falsche Noten: Macpherson, Chatterton, Poe

10:30-10:45 kurze Kaffeepause

10:45-11:30
Julika Funk (Erfurt)
»Unsofort & Etchetera« oder Die Erfindung der Literatur(hinweise) in Georges Perecs Romanen

11:30-12:15
Annette Gilbert (Berlin)
»Dieses ganze Buch ist ein Sich-Aussprechen, eine Verkörperung der russischen Seele.« Dmitrij Galkovskijs Die unendliche Sackgasse

12:15-13:15 Mittagspause

13:15-14:00
Anthony Enns (Iowa)
Paratextuality and the lost Urtext: Nabokov's Pale Fire, Ballard's "The Index," and Dunn's Ibid: A Life

14:00-14.45
Iannis Goerlandt (Gent)
Fußnoten und Performativität bei David Foster Wallace

14:45-15:00 kurze Kaffeepause

15:00-15:45
Franziska Regner (Mannheim)
Text als Anmerkung. Zur Notenpraktik in Nicolás Gómez Dávilas Notas

15:45-16:30
Bettina Kümmerling-Meibauer (Tübingen)
Crosswriting und Mehrfachadressiertheit: Fußnoten in kinderliterarischen Texten

16:30-17:00
Abschlußdiskussion und Ausblick

 

Seit Noten in literarischen Texten Verwendung finden,* haben sie sich als enorm vielfältig erwiesen. So dienen sie nicht nur zum Ausweis bibliographischer Daten und Quellenangaben, zum Nachweis von Zitaten oder zusätzlichen Informationen, für Erläuterungen erklärungsbedürftiger Textteile, Kommentare und Spezifikationen bis hin zu Übertragungen fremdsprachiger Textelemente, sondern in ihren interessantesten Ausprägungen auch dafür, narrative Linien zu übernehmen, zu unterbrechen oder sie zu vereiteln. Gerade ihre dys- und kontrafunktionalen, sinnentstellenden, lektüreverlangsamenden und -verhindernden Fähigkeiten, ausgelöst z.B. durch leere oder falsche Noten, irreführende Bezüge oder gar Noten ohne Text, stellen sowohl ein lineares Textkonzept als auch die gängige Definition von ›Para‹-Textualität in Frage.

Noten sind als marginale Textelemente, die grenzregelnde und liminale Aufgaben übernehmen, dabei immer mit einer Doppelfunktion versehen; sie verbinden und trennen, stiften und verhindern Verbindungen zwischen Text-Text und Text-Leser, regeln Hierarchien, konstituieren Wertungen und ziehen Unterscheidungen ein (oben/unten, wichtig/unwichtig, zentral/marginal), die oftmals gerade diese Unterscheidungen wieder ad absurdum führen. Dadurch werden sie durch eine paradoxe Doppelbewegung charakterisiert: Noten operieren zum einen wie andere integrierte Anmerkungen (eingeklammerte, durch Kommata – oder Parenthesen – abgesetzte Textteile) als Erweiterungen, Einschübe, Amplifikationen ihrer Bezugstexte; zum anderen verschlanken und komprimieren sie den ihnen zugeordneten Text, konzentrieren ihn auf das Wesentliche, verdichten und verknappen ihn, während sie selbst das Sekundäre, Ephemere, Nebensächliche, Marginale, Belanglose, Unwichtige und Dezentrale inkorporieren und damit auslagern. Auf diese Weise reduzieren und amplifizieren Noten Texte gleichermaßen. Notentexte könnten somit als exemplarischer Fall polyphoner, vielschichtiger und dichter Literatur gelten, was zu einem unkonventionellen, nichtlinearen, kursorischen Lesen nicht nur einlädt, sondern ein solches geradezu erfordert.

Der Workshop interessiert sich für die funktionale Vielfalt von Anmerkungspraktiken und deren semiologische Potentiale, die in unterschiedlicher Weise in der Erzählliteratur realisiert werden.

* Fußnoten seit gut 300 Jahren, Endnoten schon seit dem 16. Jhdt.; Marginalnoten durch Vorläufer in der handschriftlichen Annotationspraxis entsprechend viel länger, auch im Druck wohl schon Ende des 15. Jhdts.

 

Veranstaltungsort Universität Erfurt, Kleiner Senatssaal (Mensagebäude, hinterer Eingang, 1. Stock) sowie für den Auftaktvortrag am 28. Juni Lehrgebäude 4, Dachgeschoß Raum D01 und für den Abendvortrag Lehrgebäude 4, Dachgeschoß Raum D08 Zeit 28.-30. Juni 2006 Kontakt Sabine Zubarik, Promotionszentrum der Universität Erfurt, Dekanat Philosophische Fakultät, Postfach 90 02 21, 99105 Erfurt [sabine.zubarik(at)uni-erfurt.de]; Bernhard Metz, Freie Universität Berlin, Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin [bemetz(at)zedat.fu-berlin.de] Vorbereitende Lektüre Diskussionsbeiträge in Form von Papers und anderes Material zur Vorbereitung liegen in einem Ordner im Sekretariat der AVL (Frau Schellhardt, Sekretariat Menke) und können zum Kopieren ausgeliehen werden. Flyer (150 KB) Poster (90 KB) Bilder

 

 

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